Moshé Feldenkrais begann mit der Entwicklung seiner Methode Ende der 1940er Jahre. Basierend auf seinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen und auf den zu seiner Lebenszeit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen – unter anderen in den Bereichen der Neurowissenschaften, der Entwicklungspsychologie, der Biomechanik, des motorischen Lernens und der Kybernetik (Russell 2020).
(Quelle: feldenkrais.ch)
Vor allem die Neurowissenschaften haben sich seit damals weiter entwickelt und die aktuelle Forschung bestätigt fortlaufend Feldenkrais Erkenntnisse. Norman Doidge zählt Moshé Feldenkrais zur Gruppe der ersten Menschen, welche aktiv mit der Neuroplastizität gearbeitet haben. Er widmet ihm zwei ganze Kapitel in seinem Buch „Wie das Gehirn heilt“.
(Doidge, Norman (2015). Wie das Gehirn heilt. Neuste Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft. Campus. S 203-279)
Die Feldenkrais Methode® ist Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Ist es notwendig diese dann nochmals zu überprüfen, wenn die Basis allgemein anerkannte wissenschaftliche Grundsätze sind?
„Wir haben kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ sagt der Neurobiologe Gerald Hüther.
(verschiedene Quellen beziehen sich auf dieses Zitat: Welt, 2012, Hirnforscher Hüther, „Hochbegabung ist mehr als gute Schulnoten“ oder Abenteuer Philosophie Nr. 141, Umdenken – aber wie? Interview mit dem Neurobiologen Gerald Hüther.
Ist die Feldenkrais Methode® eine Therapie oder ein pädagogischer Weg, um mehr über sich zu erfahren und seine Fähigkeiten weiter zu entwickeln?
Sowohl als auch! Für uns vom ZeBES ist es primär ein pädagogisches Vorgehen, das auch therapeutische Wirkung haben kann. Die Sichtweise hat jedoch Einfluss darauf, welche Art von wissenschaftlicher Arbeit es braucht, um die Wirksamkeit zu belegen.
Um die Frage nach der Wirksamkeit einer Therapie zu beantworten, müssen spezifische Studien zu spezifischen „Krankheitsbildern“ gemacht werden. Was eigentlich nicht wirklich möglich ist, denn jede kompetente Feldenkrais Lehrerin passt die Lektion der Gruppe an, welche vor ihr ist. Das verunmöglicht die von Studien geforderte Standardisierung.
Betonen wir den pädagogischen Aspekt, können wir hervorheben, dass aktuelle Erkenntnisse in den Bereichen motorisches Lernen & Kontrolle, Potentialentfaltung und persönliche Weiterentwicklung bestätigen, was Feldenkrais Practitioner bereits seit vielen Jahrzehnten tun.
„Organisches Lernen ist grundlegend, daher unerlässlich. Es kann auch therapeutisch wirken. Lernen ist gesünder, als Patient zu sein oder sogar als geheilt zu werden. Leben ist kein Ding, sondern ein Prozess. Prozesse aber gehen gut, wenn es viele Wege gibt, sie zu beeinflussen. Um das zu tun, was wir möchten, brauchen wir mehr Wege als nur den einen, den wir kennen – mag er auch an sich ein guter Weg sein.“
(Feldenkrais, Moshé (1987). Die Entdeckung des Selbstverständlichen, Suhrkamp.)
Buchanan, P. A., & Ulrich, B. D. (2001). The Feldenkrais Method®: A Dynamic Approach to Changing Motor Behavior. Research Quarterly for Exercise and Sport, 72(4), 315–323. https://doi.org/10.1080/02701367.2001.10608968
This tutorial describes theFeldenkrais Method and points to parallels with a dynamic systems theary (DST) approach to motor behavior. Feldenkrais is an educational system designed to use movement and perception to foster individualized improvement in Junction. Moshe Feldenkrais, its originator; believed his method enhanced people’s ability to discover flexible and adaptable behavior and that behaviors are self-organized. Similarly, DST explains that a human-environment system is continually adapting to changing conditions and assembling behaviors accordingly. Despite little research, Feldenkrais is being used with people of widely ranging
ages and abilities in varied settings. We propose that DST provides an integrated foundation to research on the Feldenkrais Method, suggest research questions, and encourage researchers to test the fundamental tenets of Feldenkrais.
Results:
There were statistically significant differences between groups for quality of life (P = 0.006, from 45.51 to 60.49), interoceptive awareness (P > 0.001, from 2.74 to 4.06) and disability (P = 0.021, from 27.17 to 14.5) in favour of the Feldenkrais method. McGill pain score significantly decreased in both the Feldenkrais (from 15.33 to 3.63) and control groups (from 13.17 to 4.17), but there were no between-groups differences (P = 0.16).
Conclusion:
Feldenkrais method intervention gave increased benefits in improving quality of life, improving interoceptive awareness and reducing disability index.
The Feldenkrais Method introduces a revisited understanding of what body inscription can do in the fields of learning, re-learning, and remediation of capacities, in particular by stimulating the plasticity of the nervous system and by promoting the training and reactivation of our perfectibility. The Feldenkrais Method can help to clarify or reconsider what corporeality can do in this project of possible and continued learning.
How can the Feldenkrais Method support such a purpose of quality and accuracy in our action by the means of a learning process that involves, and often is based on, a person’s ability to move? What does this tell us about the way human beings develop and learn?
This contribution seeks to highlight modalities at work in the Feldenkrais Method, described as a process that favors precise, adapted action, or allows the freedom necessary for the realization of any human project, with in particular emphasis on the learning component of our projects.